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Der Zauber von MArokko

Der Zauber von Marokko, Einblick in die Geschichte des Surfen

PURE SURFCAMPS

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Insh-allah – Wie das Surfen nach Marokko kam

Mehdi, der Headcoach von Pure Surfcamps in Marokko sagte mir, ich sollte vorsichtig sein, und ich glaubte allem, was er sagte, weil er ein verdammt guter Surfer ist. "Hier gibt es nur einen Weg ins Wasser und nur einen Weg zurückkann Land. Und du musst dich vor den Felsen und den Seeigeln in Acht nehmen. Beide sehr scharf. Warte eine Seepause ab. Dann atmest du einmal tief durch – und springst."

Boilers: Willkommen am Rand der Welt

Mehdi hatte mich zu Boilers gebracht, einem respekteinflößenden Point Break, der direkt über die Felsen bricht. Allein der Paddelweg dorthin, wo die Wellen brechen, war eine Sache für sich: Genau hindurch zwischen einem großen Felsvorsprung und einem verlassenen 50 Tonnen schweren Schiffskessel, der diesem Spot seinen Namen gab. Wir zwei hatten gerade den ganzen Nachmittag damit verbracht, an einem Point Break weiter nördlich ein paar Wellen anzupaddeln, vergeblich. Unsere Arme waren müde und fingen an zu krampfen. Keine guten Voraussetzungen, um Boilers bei einem 3-Meter-Swell zu surfen.

Unmittelbar nachdem mir Mehdi seine Anweisungen gegeben hatte, zog er den Reißverschluss seines Neoprenanzugs zu und hüpfte über die Felsen zum Wasser, das Board sicher unter seinem Arm. Ich sah zu, wie er an der Felskante stand, auf den perfekten Moment wartete und dann in das kalte Wasser sprang. Mein Herz raste. Eine Minute später folgte ich seinem Beispiel und schaffte es nach einer gefühlten Ewigkeit ins Line-up, wo nun das Warten auf eine Welle mit meinem Namen drauf begann.

Kenitra: Das Biarritz von Marokko

Mehdi kommt aus Rabat, der Hauptstadt im Norden Marokkos. Noch einmal eine gute Autostunde weiter nördlich liegt Kenitra, eine kleine Stadt, die als Wiege des marokkanischen Surfens gilt. Glaubt man den Geschichten in den Teehäusern hier oben, war der erste Surfer in Marokko ein US-Pilot, der in den 1950er Jahren zum ersten Mal auf einem Surfbrett marokkanische Wellen anpaddelte. Der Legende nach fand die Session am Mehdiya Plage in Kenitra statt. Und der betreffende Soldat war in Port Lyautey stationiert, einer US-Marinefliegerbasis, fünf Kilometer weiter nördlich, die während des Kalten Krieges als Marineflugplatz diente. 

Als die US-Basis 1977 an die Royal Maroccan Air Force übergeben wurde, verließ zwar der letzte US-Militär den Stützpunkt. Doch die Folgen der Amis sind heute in Form von Surfcamps an der gesamten marokkanischen Atlantikküste zu sehen. In Kenitra selbst gibt es sehr viele Häuser, die auch in Biarritz stehen könnten. Falls ihr euch fragt, warum: 1912, als die Franzosen kamen und hier ein Militärfort etablierten, errichten sie den Hafen und die Stadt gleich mit, inklusive kleiner Patisserien und Boulangerien.

Als ich Mehdi fragte, wo er zum ersten Mal Leute beim Surfen gesehen hatte, erwartete ich, dass er sagen würde, in einem Surfmag oder im Internet. Stattdessen sagte er: "Hier in Marokko."

Surfen in Marokko: Wie Fußball im Rest der Welt

Surfen an der Küste Marokkos ist ähnlich wie Fußball im Rest der Welt. In Taghazout, Imsouane, Essaouria und Sidi Ifni werdet ihr mehr Leute in Wetsuits sehenals in Fußballklamotten. Anstelle von Real-Madrid-Trikots tragen die Kids hier Billabong-Hoodies und rollen auf Skateboards durch die engen Gassen der Souks, den marokkanischen Basaren. Wenn ihr durch die Straßen geht, werden euch aus den Cafés die Songs der internationalen Dreifaltigkeit des Surfsounds entgegenschallen, als da wären Bob Marley, Jack Johnson und Ben Harper.

Irgendwie fühlt es sich hier an, als ob in den 1950er Jahren das Beste der kalifornischen Surfkultur nach Marokko exportiert wurde. Ihr könnt fast eine Art globalen Surfstoke sehen, der mit dem Morgennebel durch die Straßen der Küstenstädte weht. Und so ist Surfen in Marokko das perfekte Leben, denn im Wasser spricht niemand von Religion, Wirtschaft oder Politik.

Essaouira: Wo Jimi Hendrix und Bob Marley entspannten

In den 1960er und 1970er Jahren entdeckten schließlich Hippies und Aussteiger aus Europa und den USA das staubige und geheimnisvolle Marokko für sich. Vor allem Essaouira im Süden Marokkos hatte es ihnen angetan. Kommt ihr hier auf einen Besuch vorbei, werden euch blauweiß angemalte Häuserfassaden an Essaouiras portugiesische Vergangenheit erinnern. Doch der Gebetsruf der Muezzine wird euch schnell klar machen, dass ihr nicht an der Algarve seit, sondern zwei Autostunden westlich von Marrakesch. 

Sogar Jimi Hendrix und Bob Marley machten in Essaouira einen ausgiebigen Stopp, um beim ein oder anderen Joint die Seele baumeln zu lassen. 

In den 1980er und 1990er Jahren fanden schließlich Windsurfer und Wellenreiter in Essaouira ihre Erfüllung. Und in den 2000ern und 2010ern entwickelte sich das Surfen in Marokko immer mehr zum angesagten Ziel für einen Surfurlaub abseits der ausgetretenen Pfade durch französische Pinienwälder am Golf von Biskaya. Vor allem südlich von Essaouira Richtung Adagir erlebten kleine Fischerdörfer wie Imsouane und Taghazout über die Wintermonate einen zweiten Frühling als begehrte Surferparadise. 

Boilers: Ein Killer-Set alle 20 Minuten

Zurück ins Line-up von Boilers, wo es gerade darum ging, wie unglaublich perfekt die Wellen aussahen, auch wenn noch keiner von uns eine angepaddelt hatte. Wir waren einfach nur begeistert, an so einem Ort einen Logenplatz in der ersten Reihe zu haben. Alle 20 Minuten kam allerdings ein großes Set herein, doppelt so groß wie die anderen. Das war der Moment, wo wir alle zurück Richtung Point paddelten um wieder die Position zu bekommen, die uns die starke Strömung streitig gemacht hatte. 

Als perfekter Ausdruck des Menschen, der in Übereinstimmung mit der Natur lebt, bewegten wir uns trotzdem in und mit dem Meer – und spürten unseren Körper als Erweiterung des salzig-kühlen Atlantiks. Dennoch war meine erste Welle in Boilers enttäuschend. Ich paddelte sie an, bekam sie auch, geriet aber latent in Panik, als ich sah, wie nah die Felsen waren. Als kickte ich aus der Welle, bevor die Lippe der Welle mich auf die Felsen schleudern konnte. Als ich mich anschließend umdrehte, sah ich die größte Welle des Tages anrollen, die sich wie eine böse Wolke am Horizont abzeichnete.

Insh-allah: Alles wird besser werden

Vergeblich versuchte ich, meine Arme davon zu überzeugen, schneller zu paddeln. Doch die Milchsäure in meinem Trizeps sprach gegen diese Idee. Ich fühlte mich wie ein kraftloser Sack Fleisch in schwarzen Gummi, der im Wasser trieb. Doch im letzten Moment drehte sich Mehdi in die Welle, machte zwei Paddelzüge und erwischte sie. Wie er auf der Welle surfte war wunderschön und perfekt. Irgendwie wirkte er unantastbar darauf. Wie ein König auf seinem Thron. Später, am Ufer, fragte ich ihn nach den Wellen und ob sie gut waren. "La, la. Schweya-schweya. Es wird besser werden. Viel besser. Insh-allah."

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